Orgasmus für alle!

Orgasmus für alle!

Der weibliche Orgasmus! Privileg oder Grundrecht der Frau?
Eigentlich müsste man meinen, dass wir im 21. Jahrhundert das Tabu um Sex und Orgasmus durchbrochen haben. Eigentlich. Doch unserem sozio-sexuellen Skript, vermittelt durch Sexualkunde in der Schule, TV-Serien, Filme und Pornos fehlt noch immer Offenheit und Gleichberechtigung. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Und so ist die Vorstellung des weiblichen Orgasmus auch heute noch immer nicht sehr frauenfreundlich. Kein Wunder! Schließlich galt der weibliche Orgasmus lange Zeit als ‚Männerdomäne‘. Die Forschung über Frauengesundheit und die Klitoris wurden vor allem von Männern geschrieben. Männer erklärten Frauen, wie ihre Lust und ihr Orgasmus funktionierten. #mansplaining vom Feinsten. Funfact am Rande: den Mythos, es gäbe einen vaginalen sowie klitoralen Orgasmus, haben wir übrigens Freud zu verdanken. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Fakt ist; Frauen erleben sexuelle Lust oft ohne Orgasmus. Laut verschiedenen Studien kommen zwischen 16 und 21% Frauen nur selten oder niemals zum Höhepunkt. Nur 18% der Frauen kommen alleinig durch vaginale Stimulation zum Orgasmus. Männer kommen prozentual gesehen häufiger zum Orgasmus. Erst innerhalb einer Beziehung steigt die Orgasmusrate der Frau. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀

Es gibt verschiedene Gründe, warum so viele Frauen nicht zum Orgasmus kommen.

These 1: Wir wissen nicht wie! Keiner hat es uns je beigebracht. Der Sexualkundeunterricht in der Schule drehte sich um Menstruation, Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft. Und die Medien? Griffen meist Selbstbefriedung des Mannes auf! Oder erzählten uns etwas vom G-Spot (dessen Existenz übrigens noch immer zweifelhaft ist) oder von angeblich unterschiedlichen Orgasmen, die wir bekommen können. (Nope, es gibt nur den ‚one and only‘ Klitoralorgasmus). Dabei ist jeder Orgasmus von Frau zu Frau verschieden – eine Orgasmusanleitung per se gibt es nicht. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀

These 2: Man comes first! Leider haben uns die Medien lange Zeit suggeriert, dass im Bett einerseits der männliche Orgasmus an erster Stelle steht, und andererseits die Verantwortung für die weibliche sexuelle Befriedigung dem Mann obliegt. So oder so zieht Frau den Kürzeren.

These 3: Mangelnde Kommunikation! Wir haben keine Probleme damit, unserem Friseur zu erklären, welche Frisur wir uns vorstellen – aber schrecken davor zurück, unserem Partner im Bett mitzuteilen, wie wir sexuell befriedigt werden wollen.

These 4: Schmerzen beim Sex! Die Gründe dafür sind zahlreich. Angefangen bei der falschen Penetration durch den Mann, psychische als auch körperliche Ursachen. So kann beispielsweise auch Endometriose zu Schmerzen während des Geschlechtverkehrs führen. Einen interessanten Artikel dazu gibt’s übrigens hier.

Fazit: Weg mit dem sozio-sexuellen Skript und weg mit den Tabus! Unser Sex und unsere Befriedigung sollte nur von einer einzigen Person bestimmt werden – von uns selbst! Daher sollten wir uns auch stärker mit dem Thema beschäftigen und uns nicht davor schämen, es offen zu kommunizieren!

Ps: Auf Netflix gibt es eine tolle Dokumentation über den weiblichen Orgasmus in der Reihe ‚explained‘.

My boobs, my business!

My boobs, my business!

My boobs, my uterus, my body – my business!

This is not a privilege, this is a human right! Yet women all around the globe still have to fight for it. They have to fight for the right to make decisions about their own body. And even in a country evolved as Germany, women still have to fight for self-determination in particular and feminism in general.

On that notice, no country in the world can yet say that they have achieved gender equality. And let’s be clear – that is what feminism stands for. By definition, it is the belief that men and women should have equal rights and opportunities.

Therefore the message „My boobs, my business!“ is more than a nice little alliteration. It is a public criticism of the current social and legal system and a proclamation of feminism and thereby equality of all human beings!

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Die Farbe meiner eigenen Beerdigung

Die Farbe meiner eigenen Beerdigung

Farbenfroh soll sie werden, meine eigene Beerdigung.  Nicht ganz der Titel und  Einleitungssatz, den ihr erwartet hattet, oder? Ich gebe zu – Küchenbild und Tod sind eine ungewohnte Kombination. Doch bei dem Anblick des Bildes sagte eine Stimme in mir plötzlich: „Ich will auf meiner Beerdigung kein Schwarz sehen, sondern satte Farben wie in meiner Küch!“ Und das Gedankenkarussel drehte sich Runde um Runde weiter und ich begann fieberhaft zu überlegen, wie ich mir meine eigene Beerdigung vorstelle.

Küche von Starkstromhippie

Seien wir ehrlich. Beerdigungen kümmern die Toten nicht. Sie sind viel mehr ein Ritual für diejenigen, die wir zurücklassen. Und ich persönlich möchte, dass sich dieses Zurücklassen trotz Trauer freudvoll und farbenfroh anfühlt. Es soll mein Leben widerspiegeln und nicht Produkt einer „Das muss aber so“Gesellschaft sein.

Und aus diesem Grund wird es an meiner Beerdigung ein Meer aus Blumen geben. Keine Samtdecken, kein Plastikfiskus, keine Grabkerzen. Jeder bekommt ein kleines Anstecksträußchen – oder noch besser, ein Kranz aus Blumen fürs Haar. Keiner soll schwarz tragen, sondern lieber farbenfrohe Kleidung wählen. Eine steife Trauerrede von einem Pfarrer, der mich nicht kannte – die will ich auch nicht. Lieber lasse ich meine Freunde und Familie die Worte finden. Und schreibe ein paar Zeilen vor für einen freien Redner. (Ich bin zwar religiös erzogen, doch alle kirchliche Trauerreden die ich bis dato gehört habe – und es waren einige, wurden in meinen Ohren nie der Situation gerecht.) ⠀⠀⠀

Ist es Sommer, möchte ich, dass alles draußen stattfindet… Und abschließend? Da gibt es ein großes Fest! Mit vielen Köstlichkeiten, Getränken und natürlich Schampus.  Denn ich möchte, dass die Traurigkeit durch Fröhlichkeit bestimmt wird. Anstoßen sollen sie! Auf die schönen Momente, die wir gemeinsam erlebt haben. Und feiern, dass unsere Lebenswege sich gekreuzt haben.

Über Selbstliebe und Selbstwahrnehmung

Über Selbstliebe und Selbstwahrnehmung

Selbstliebe und Selbstwahrnehmung sind für mich eng verbunden. Und ja, manchmal braucht es einfach einen neuen, einen anderen Blickwinkel.
Tag für Tag begegnen wir uns im Spiegel. Und sei es nur morgens und abends beim Zähneputzen. Oder wir lassen unseren Blick von oben herab auf uns gleiten. Überprüfen, ob das T-Shirt richtig fällt; die Hosen anständig sitzt. Logischerweise ist unsere Selbstwahrnehmung limitiert und stark subjektiv.
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Sicherlich können wir jetzt die Debatte darüber eröffnen, dass jede Wahrnehmung subjektiv ist – und das eine objektive Wahrnehmung nicht existent ist … Doch soweit mag ich das ganze Thema hier gar nicht auf die Spitze treiben.
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Mir geht es viel mehr um eine praktische Übung. Nehmt euch eine Fotografie von euch zu Hand. Betrachtet sie so, als würdet ihr sie zum ersten Mal betrachtet. Stellt euch vor, nicht ihr seid darauf abgebildet, sondern bspw. ein guter Freund. Was seht ihr? Was strahlt dieser Person aus? Was fasziniert euch? Sind es die Grübchen um die Wangen? Das volle Haar? Eine gewisse Aura, welche die Person ausstrahlt? Welche Körperstellen findet ihr besonders anziehend? Und warum?
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Ab und zu müssen wir, um uns selbst näher zu kommen, einen Schritt von uns weggehen. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es die Distanz von 12 Metern braucht, um eine Person in ihrer gänzlichen Fülle wahrzunehmen. Verringert sich die Distanz, haben wir sie nicht mehr komplett im Blickfeld und unser Gehirn füllt quasi nur die Lücken auf, die wir nicht gezielt wahrnehmen können.
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So ähnlich ist es manchmal auch bei der Selbstwahrnehmung. Manchmal sehen wir uns nicht, sondern füllen einfach die Lücken auf, die wir erwarten zu sehen. Im schlimmsten Fall tun wir dies in verzerrter Form und äußern anschließend negative Selbstkritik. Dabei wirken eben diese Stellen unseres Körpers aus einem anderen Blickwinkel ganz anders. Insbesondere, wenn sie mit wohlwollenden und wertfreien Blick betrachtet werden.
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Over and out. 🧡

Sonntag ist Flohmarkttag

Sonntag ist Flohmarkttag

Ich bin durch und durch ein Flohmarktkind. Das Stöbern zwischen bunten Ständen hat mir schon als kleines Mädchen viel Freude bereitet. So sehr, dass meine Eltern mich sogar beinahe mal auf einem Flohmarkt verloren hätten. Ich kleiner Wirbelwind… Das gewisse Adlerauge für besondere Dinge habe ich definitiv von meiner Mama geerbt. Sie hat mir früh beigebracht, worauf es beim Flohmarktshoppen drauf ankommt. Während meiner Teenizeit wich die Flohmarkt-Euphorie dann eher einer -Lethargie. Die Pubertät ließ einen Sonntags lieber vor dem Fernseher versacken oder mit Freunden abhängen, als Zeit mit der Familie zu verbringen. Doch auch diese Phase ging vorbei, und heute treffe ich mich Sonntags regelmäßig mit meiner Mama um auf Flohmärkten ein wenig zu stöbern. Manchmal fühlen wir uns wie Sherlock Holmes, wenn wir die Stände nach etwas Besonderem durchforsten – etwas, dessen Wert noch kein anderer entdeckt hat.

Wem gehts ähnlich wie mir? Für alle die demnächst mal wieder auf einem Flohmarkt herumstöbern, hab ich noch ein paar Tipps und Anmerkungen aufgelistet.

Vasen, Töpferwaren
Schaut immer nach, ob ihr ein Bodensiegel entdecken könnt. Der Verweis GERMANY ist bereits ein gutes Zeichen, dass es sich hier um Qualitätsware handelt. Wenn ihr kleine Macken entdeckt, solltet ihr auf diese hinweisen um den Preis zu drücken. Flohmärkte sind schließlich zum handeln da.

Bring den Jutebeutel mit!
Ich vergesse ab und zu auch daran zu denken – dabei ist es nicht selbstverständlich, dass die Verkäufer eine Plastiktüte oder dergleichen für dich parat stellen. Daher am Besten immer vorbereitet sein, bevor man seine Einkäufe umständlich nachhause manövrieren muss.

Kleidung
Denkt immer daran – alles kann man waschen. Von daher lasst euch nicht von einem leicht muffigen Geruch abschrecken. Je nachdem wie die Kleidung gelagert wurde, kann das schon mal passieren. Viel wichtiger ist, dass sie keine (Stock-)Flecken, Löcher oder andere Mängel aufweist. Ein Blick ins Ettikett verrät euch nicht nur Marke, sondern gibt euch auch Auskunft über Qualität und Herstellungsland. Derzeit findet man viele Italienische Schätzchen auf Flohmarkten. Also Augen auf!

Der Wühltisch / die Wühlkiste
Ich weiß, ich weiß. Der Grabbeltisch, wie man ihn andernorts auch gerne nennt, kann ganz schön abschreckend wirken. Doch nehmt euch die Zeit und ihr werdet überrascht sein, was ihr nach einer gewissen Zeit alles entdeckt. Denn oftmals verbergen sich unter dem Berg von komischen Dingen oftmals echte Schätze.

Handeln, handeln, handeln!
Das ist nicht jedermanns Sache, doch zum Flohmarktbesuch gehört es definitiv dazu. Allerdings gilt es auch hier, vernünftig zu handeln. Wenn mir beispielsweise jemand einen Spottpreis nennt, denke ich auch nicht mehr ans handeln. Schließlich wollen die Flohmarktverkäufer ja auch mit einem kleinen Gewinn nach Hause gehen.

Von Orangenhaut, Selbstliebe und das Problem mit dem Vergleichen

Von Orangenhaut, Selbstliebe und das Problem mit dem Vergleichen

Eigentlich bin ich soweit mit meinem Körper zufrieden. Eigentlich. Doch manchmal gibt es diese Tage, an denen ich mit nichts an mir zufrieden bin. Die Brüste zu klein, die Oberschenkel zu wuchtig. Die Dellen im Po zu tief. Die Wangenknochen nicht markant genug, die Finger komisch geformt – wenn ich mir viel Mühe gebe, kann ich dann beinahe alles an mir selbst schlecht reden.

Zum Glück kommen diese Tage mittlerweile nur noch selten vor. Denn im Laufe der Zeit hat sich meine Selbstwahrnehmung geändert. Mir zu Liebe habe ich Abstand von den nicht enden wollenden Vergleichen genommen. Peu à peu habe ich meinen Körper als den wahrgenommen, der er ist. Als mein eigener, besonderer, ständiger Belgeiter, dessen  Wert nicht durch optische Unzulänglichkeiten geschmälert werden kann.

Trotz dieser Erkenntnis hegten mich ein paar kleine Zweifel, als ich das obrige Bild vor ein paar Wochen auf Instagram postete. Zweifel und die Angst davor, ob die Betrachter des Bildes nur ein Auge für die Unperfektheit meines Körper haben würden. Daher kam auch folgende Bildunterschrift zustande.

„Vielleicht denkt die eine oder der andere: Mensch, die Beine hätte sie aber ein wenig retuschieren können oder sich wenigstens anders hinstellen können. Denn ja, die 🍊-Haut gibt auch einen kleinen Morgengruß von sich. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Ich sag „Guten Morgen!“ zurück. Und sage Ja zu Orangenhaut, Narben, Dehnungsstreifen und der kleinen Oberweite. Entspricht nicht dem medialen Schönheitsbild? Na und? Das ist mein Körper. Mit all seinen kleinen Unperfektheiten erzählt er meine Geschichte – ist mein ständiger Begleiter. Körper, ich mag dich! Gerade, weil du nicht so perfekt bist sondern Charakter zeigst. ☝🏼“

Die positive Resonanz und all der Zuspruch waren überwältigend. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Und all meine Euphorie konnte auch ein etwas kritischer Kommentar nicht schmälern. „Hä?! Du weißt ja wohl selbst, dass die Beine perfekt aussehen. Man sieht keine Narben und nischt. Wenn du versuchst, das hier als unperfekt und voll von Makeln zu präsentieren, ist das nicht gerade eine angenehme Message für Leute, die wirklich optisch nicht den Idealen entsprechen.“ Es mag seltsam klingen, doch ich hab mich beinahe ein wenig über dieses Kommentar gefreut. Denn es gab mir die Möglichkeit auf eine unschöne Eigenart unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen.

In der Handlung des Vergleichs sprechen wir dem anderen seine Wahrnehmung und seine Gefühle ab. „Stell dich nicht so an! Anderen geht es viel schlimmer!“ heißt es dann. Der Vergleich verleitet zu Wertungen, wo oftmals keine geltend gemacht werden sollten. Insbesondere, wenn Emotionen und Selbstwahrnehmung im Spiel sind. Sicherlich kann mir mein Gegenüber gerne sagen, dass meine Beine in seinen Augen perfekt sind, und es kann ihm darüber hinaus unverständlich vorkommen, dass ich dies etwas anders sehe. Doch meine Selbstwahrnehmung sollte mir mein Gegenüber dennoch nicht in Abrede stellen. Denn wo würde das denn hinführen? Würden wir den Einarmigen sagen: „Stellt euch nicht so an, es gibt Menschen, die haben keine Arme!“ Wir würden der Empathie den Rücken kehren. Im Vergleich nehmen wir nicht mehr den Menschen an sich wahr. Im Vergleich reduzieren wir ihn auf das, was wir wahrnehmen, selbst wenn wir ihn im Vergleich eigentlich aufwerten.

Dennoch tat es mir auch ein wenig Leid, dass dort jemand Anstoß an meinen Worten genommen hatte. Es war nicht meine Intention zu sagen, dass Dehnungsstreifen, die kleinen Dellen in meinen Oberschenkeln und Narben, ‚der Markel schlechthin‘ sind. Da wären wir nämlich auch wieder beim Vergleichen. Es geht mir im Kern viel mehr um Selbstwahrnehmung, -akzeptanz und -liebe. Ein Thema, dass, so glaube ich, alle Menschen betrifft. Denn egal, wie perfekt sie äußerlich für andere erscheinen mögen, bedeutet das nämlich nicht automatisch, dass sie dies selbst auch so empfinden. Das die Hürden für Selbstliebe für Menschen, die „wirklich optisch nicht den Idealen entsprechen“ höher sein mag, kann ich mir vorstellen. Doch letztlich widerspricht dieser Gedanke nicht meinen Worten. Im Kern, geht es darum, uns selbst zu akzeptieren und zu lieben. Ganz gleich, wie unsere physischen Attribute sind. Insbesondere, da Selbstliebe nicht nur durch Optik definiert ist sondern viel mehr eine praktische Handlungsweise gegenüber sich selbst ist.

Und plötzlich hat man genug von all den Menschen.

Und plötzlich hat man genug von all den Menschen.

J

edes Tête-à-Tête im Menschenzirkus, das von Falschheit, Undankbarkeit und Ungerechtigkeit geprägt ist, lässt den kleinen Misanthrop in mir lauter werden. „Warum sind die Menschen bloß so? Warum verhalten sie sich wider aller Liebe, Vernunft und Moral?“

Antwort auf diese Frage haben bereits etliche zu geben versucht. Je nachdem welche Disziplin sie vertraten, war nicht nur ihre Antwort sondern auch ihre Frage philosophisch/theologisch/psychologisch/medizinisch/etc. ausgelegt ung geprägt. Denn Liebe, Vernunft und Moral sind nicht gerade bekannt dafür, Begrifflichkeiten mit einer einfachen Einheitsdefinition zu sein.

Dem Philanthropen in mir ist das bewusst. Den Misanthropen in mir schert das allerdings nicht. Er hängt zu sehr an dem Bild einer Menschheit, die Nächstenliebe als Basis ihres Handelns versteht. Ja, der Misanthrop in mir, ist recht theologisch geprägt. Und am Ende des Tages ist er wohl gar kein richtiger Misanthrop, sondern eher ein Philanthrop, der ein wenig menschenmüde geworden ist… Die Hoffnung hat er allerdings noch nicht an den Nagel gehängt! Er glaubt noch immer daran, dass sich der Mensch am Ende des Tages aktiv für ein liebevolles Miteinander entscheidet.

Und somit entscheide ich mich (un-)bewusst für die Liebe als Maß aller Dinge. Nicht für die Vernunft, noch für die Moral. Denn Letztere sind für mich sehr flexible Zeitgenossen. Formbar und anpassungsfähig wie ein Chamäleon passen sie sich an den vorherrschenden Tenor im System an. Doch die Liebe, sie erscheint mir als ein Universalgut. Eines, an dem man nicht so leicht rütteln kann. Eines, das Beständigkeit aufweist, egal wie stürmisch die Zeiten um einen herum sind.

Kleiner Kant-Exkurs

Während ich mich mit den Begrifflichkeiten der Philanthropie und Misanthropie auseinerander gesetzt habe, bin ich natürlich auf den guten alten Kant – bei dem das Maß aller Dinge die Vernunft ist – gestoßen. Paraphrasiert sieht Immanuel die ganze Angelegenheit in etwa so: Zunächst einmal unterscheidet er in zwei unterschiedliche Art von Philanthropen. (Natürlich ist nur eine die wirklich wahre Variante.) Philanthrop Nummer 1, nennen wir ihn mal Phillip, empfindet Wohlsein und Vergnügen, wenn es seinen Mitmenschen gut geht. Philanthrop Nummer 2, Filip, empfindet dies auch und setzt sich darüber hinaus aktiv für Wohlergehen seiner Mitmenschen ein. Und das ist für Kant am Ende auch der einzig wahre Philanthrop. Denn für ihn ist Philanthropie nicht nur eine Empfindung sondern eine klare Handlunganweisung(/-maxime). Darüber hinaus stellt Kant den Misanthropen und den ästhetischen Misanthrop vor. Ersterer lässt die Philanthropie links liegen, weil er es will. Und Zweiterer, weil er nicht anders kann. Der Misanthrop hasst Menschen und tut somit alles, um ihnen Schlechtes zuzufügen. Der ästhetische Misanthrop will den Menschen zwar Gutes, allerdings ist er so von ihnen enttäuscht und gekränkt, dass er sich (wider aller Vernunft) zurück zieht.

Menschenliebe (Philanthropie)
Betreffend der Maxime der Handlungen, wird von Kant als praktisch angesehen. Ergo als ein tätiges Wohlwollen den Menschen gegenüber.

Philanthrop
a) Menschenfreund (Phillip) als bloß Menschenliebender
Derjenige, der Vergnügen und Wohlsein empfindet, wenn es einem anderen wohl ergeht, nennt Kant Menschenfreund. 

b) Freund des Menschen (Filip) 
Derjenige, der nicht nur Vergnügen und Wohlsein empfindet, wenn es anderen wohl ergeht, sondern auch aktiv etwas für deren Wohlergehen (tätiges Wohlwollen) unternimmt.

Misanthrop (Menschenfeind in praktischem Sinne)
Demgegenüber steht laut Kant der Menschenfeind, dem nur dann wohl ist, wenn es anderen übel ergeht. Er wiedersetzt sich stes der Maxime der Philanthropie und feindet den Menschen an und will ihm ein Übel.

Solipsista (Selbstsüchtiger) 
Dem Selbstüchtigen ist es gleichgültig, wie es anderen ergeht. Er ist nur auf sein eigenes Wohlergehen bedacht.

ästhetischer Misanthrop 
Vom ästhetischen Misanthrop spricht Kant, wenn er denjenigen beschreibt, der zwar den Menschen Wohlwollen gegenüber empfindet, allerdings kein Wohlgefallen an ihnen finden kann und sich daher vor Menschen scheut und sich von ihnen abkehrt (Anthropophobie).