Und plötzlich hat man genug von all den Menschen.

J

edes Tête-à-Tête im Menschenzirkus, das von Falschheit, Undankbarkeit und Ungerechtigkeit geprägt ist, lässt den kleinen Misanthrop in mir lauter werden. „Warum sind die Menschen bloß so? Warum verhalten sie sich wider aller Liebe, Vernunft und Moral?“

Antwort auf diese Frage haben bereits etliche zu geben versucht. Je nachdem welche Disziplin sie vertraten, war nicht nur ihre Antwort sondern auch ihre Frage philosophisch/theologisch/psychologisch/medizinisch/etc. ausgelegt ung geprägt. Denn Liebe, Vernunft und Moral sind nicht gerade bekannt dafür, Begrifflichkeiten mit einer einfachen Einheitsdefinition zu sein.

Dem Philanthropen in mir ist das bewusst. Den Misanthropen in mir schert das allerdings nicht. Er hängt zu sehr an dem Bild einer Menschheit, die Nächstenliebe als Basis ihres Handelns versteht. Ja, der Misanthrop in mir, ist recht theologisch geprägt. Und am Ende des Tages ist er wohl gar kein richtiger Misanthrop, sondern eher ein Philanthrop, der ein wenig menschenmüde geworden ist… Die Hoffnung hat er allerdings noch nicht an den Nagel gehängt! Er glaubt noch immer daran, dass sich der Mensch am Ende des Tages aktiv für ein liebevolles Miteinander entscheidet.

Und somit entscheide ich mich (un-)bewusst für die Liebe als Maß aller Dinge. Nicht für die Vernunft, noch für die Moral. Denn Letztere sind für mich sehr flexible Zeitgenossen. Formbar und anpassungsfähig wie ein Chamäleon passen sie sich an den vorherrschenden Tenor im System an. Doch die Liebe, sie erscheint mir als ein Universalgut. Eines, an dem man nicht so leicht rütteln kann. Eines, das Beständigkeit aufweist, egal wie stürmisch die Zeiten um einen herum sind.

Kleiner Kant-Exkurs

Während ich mich mit den Begrifflichkeiten der Philanthropie und Misanthropie auseinerander gesetzt habe, bin ich natürlich auf den guten alten Kant – bei dem das Maß aller Dinge die Vernunft ist – gestoßen. Paraphrasiert sieht Immanuel die ganze Angelegenheit in etwa so: Zunächst einmal unterscheidet er in zwei unterschiedliche Art von Philanthropen. (Natürlich ist nur eine die wirklich wahre Variante.) Philanthrop Nummer 1, nennen wir ihn mal Phillip, empfindet Wohlsein und Vergnügen, wenn es seinen Mitmenschen gut geht. Philanthrop Nummer 2, Filip, empfindet dies auch und setzt sich darüber hinaus aktiv für Wohlergehen seiner Mitmenschen ein. Und das ist für Kant am Ende auch der einzig wahre Philanthrop. Denn für ihn ist Philanthropie nicht nur eine Empfindung sondern eine klare Handlunganweisung(/-maxime). Darüber hinaus stellt Kant den Misanthropen und den ästhetischen Misanthrop vor. Ersterer lässt die Philanthropie links liegen, weil er es will. Und Zweiterer, weil er nicht anders kann. Der Misanthrop hasst Menschen und tut somit alles, um ihnen Schlechtes zuzufügen. Der ästhetische Misanthrop will den Menschen zwar Gutes, allerdings ist er so von ihnen enttäuscht und gekränkt, dass er sich (wider aller Vernunft) zurück zieht.

Menschenliebe (Philanthropie)
Betreffend der Maxime der Handlungen, wird von Kant als praktisch angesehen. Ergo als ein tätiges Wohlwollen den Menschen gegenüber.

Philanthrop
a) Menschenfreund (Phillip) als bloß Menschenliebender
Derjenige, der Vergnügen und Wohlsein empfindet, wenn es einem anderen wohl ergeht, nennt Kant Menschenfreund. 

b) Freund des Menschen (Filip) 
Derjenige, der nicht nur Vergnügen und Wohlsein empfindet, wenn es anderen wohl ergeht, sondern auch aktiv etwas für deren Wohlergehen (tätiges Wohlwollen) unternimmt.

Misanthrop (Menschenfeind in praktischem Sinne)
Demgegenüber steht laut Kant der Menschenfeind, dem nur dann wohl ist, wenn es anderen übel ergeht. Er wiedersetzt sich stes der Maxime der Philanthropie und feindet den Menschen an und will ihm ein Übel.

Solipsista (Selbstsüchtiger) 
Dem Selbstüchtigen ist es gleichgültig, wie es anderen ergeht. Er ist nur auf sein eigenes Wohlergehen bedacht.

ästhetischer Misanthrop 
Vom ästhetischen Misanthrop spricht Kant, wenn er denjenigen beschreibt, der zwar den Menschen Wohlwollen gegenüber empfindet, allerdings kein Wohlgefallen an ihnen finden kann und sich daher vor Menschen scheut und sich von ihnen abkehrt (Anthropophobie).

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